• Hannes Hurter - az Aargauer Zeitung

Spektakulärer K.-o.-Sieg: Davide Faraci setzt seine Siegesserie fort


Der Zurzibieter Boxer Davide Faraci gewinnt auch seinen fünften Profi-Boxkampf in Bern vorzeitig nach technischem K.o. Es war die mit Abstand härteste Bewährungsprobe in seiner Profi-Karriere. Ein Meistertitel rückt damit immer näher.


Es ist 22.20 Uhr am Samstagabend, als Davide Faraci im Kultur-Casino unter der Einlaufmusik «I want it all» von Queen die Bühne betritt. Der Berner Kult-Speaker Albi Saner kündigt das Duell der beiden bisher Ungeschlagenen wortgewaltig an. Grosses Kino in der Bundeshauptstadt. Davide Faraci und sein physisch imposanter Gegner, der Afro-Isländer Mustapha Jobi, haben ihre ersten vier Profikämpfe in der Halbschwer-Gewichtsklasse jeweils gewonnen und stehen nun vor dem Spitzenduell. Faracis Mutter Concetta rutscht nervös auf ihrem Stuhl herum, Bruder Antonio drückt auf der Videokamera den «Play»-Knopf. Es ist angerichtet.

Nach dem Abtasten in der Startrunde drehen die beiden Modell-Athleten in der 2. Runde auf. Trotz später Stunde: Davide Faraci ist hellwach, präsent, bewegt sich besser als Jobi und schickt ihn mit einer satten Rechten ein erstes Mal auf die Bretter. Jubel bei den mitgereisten Aargauer Fans, Mutter Concetta springt von ihrem Sitz auf. Doch aufgepasst! Das «Sixpack-Monster» aus Gambia reagiert prompt, Faraci landet ebenfalls kurzzeitig auf den Knien.

In den nächsten Runden agieren die Kontrahenten defensiver. Es ist ein Duell auf Augenhöhe, Faraci boxt nicht mehr ganz so offensiv, weicht den weit ausgeholten Linken seines Antipoden aber geschickt aus und verteilt die präziseren Schläge als Jobi. Weiss der Kleindöttinger im Hinterkopf, dass er nach Punkten wohl vorne liegt?

Die 6. und letzte Runde bricht an. Davide Faraci wird von seinen Anhängern nun lautstark angefeuert, dass die Emporen des historischen Gebäudes erzittern. Um 22.44 Uhr packt Faraci schliesslich den Hammer aus und schickt Jobi mit einer herrlichen Kombination auf den Boden. Der Afro-Isländer fällt auf den Hinterkopf und bleibt minutenlang benommen liegen. Faraci jubelt, gewinnt das bedeutsame Spitzenduell und feiert im fünften Kampf den fünften Sieg, zum dritten Mal mittels Knock-out. «Ich bin so richtig glücklich. Ich wusste, dass ich den Moment abwarten musste, um meine Rechte zu platzieren», sagte Faraci nach dem Kampf schweissgebadet und mit einem wohlverdienten Stück Käse im Mund. Der Plan ging voll auf. Sein Trainer Simone D’Alessandri sprach vom «schwierigsten Kampf bisher». Die Siegesserie lässt ihn nun bereits in die «Top 4» in Italien klettern. Das Ziel, Ende Jahr um den italienischen Meistertitel zu kämpfen, rückt immer näher.

Nächster Kampf Ende September Beim Platz-Interview mit Albi Saner sorgt Faraci für das Bonmot des Abends. Auf die Frage, ob er vom Boxen leben kann, antwortet er augenzwinkernd: «Ich lebe fürs Boxen.» Faraci bedankt sich beim Publikum für die «Gänsehaut-Atmosphäre» und bei seinen Sponsoren für die Unterstützung. Mit seinem Manager Toni Barbera wird er ab April 2018 selber Box-Events in der Schweiz auf die Beine stellen. Die Boxkämpfe fanden im Rahmen von «Kultur im Ring» statt, einem innovativen Event des Marketing-Spezialisten Leander Strupler. Die Veranstaltung verbindet zwei gegensätzliche Welten miteinander, den rauen Boxsport mit der vornehmen Seite der Kultur, verkörpert durch die Schlangenfrau Nina Burri mit ihrem atemberaubenden Auftritt. Nina Burri und die Aargauer Sängerin und Rundengirl Gianina Rosa Fabbricatore sorgten in der Berner «Kathedrale» für beste Unterhaltung. Davide Faraci geniesst vorerst ein paar unbeschwerte Sommertage, bevor es mit dem Aufbautraining wieder von vorne losgeht. Sein nächster Kampf findet am 30. September in Rom statt.

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